Der Heilige, die Höhle und die schamanische Einweihung
von Gudrun Graf (Kommentare: 0)
Nach fast drei Jahren in Marokko bekam ich Besuch von meinen marokkanischen Freunden.
Ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich glaube, viele Expats wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, enge marokkanische Freundschaften aufzubauen. Als Frau gilt das vielleicht noch mehr.
Zuerst kam Ismail, der Bildhauer, den auch Leo noch kennenlernen durfte.
Dann Khaled mit seiner Familie.
Wir kennen uns seit 2009. Dazwischen lagen viele Jahre des Schweigens. Und trotzdem war da sofort wieder dieses Gefühl von Vertrautheit.
Wir tranken Tee und sprachen über die Vergangenheit, über die Musik, über Träume, über Politik und vor allem über den Islam.
Einige Tage später telefonierte ich mit meiner lieben Freundin Adela.
Wie so oft führte uns unser Gespräch von einem Thema zum nächsten: Jesus, Maria, die Essener, die Mysterienschulen, Marokko und Burma.
Wir sprachen über einen geheimnisvollen Heiligen in Marokko, über einen tiefen See im Atlasgebirge, über kleine Menschen, die dort leben sollen, und über einen spirituellen Meister in Burma, der nur alle paar Jahre vom Berg herabsteigt, um Menschen zu segnen und zu heilen.
Gibt es diese Menschen wirklich?
Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, mit wie viel Respekt Adela und ich solchen Geschichten begegnen.
Und plötzlich war sie wieder da.
Die Höhle.
Die Lamprechtshöhle.
Bis heute das schönste und eindrücklichste Erlebnis meines Lebens.
Die verschiedenfarbigen unterirdischen Seen.
Die gewaltigen Stalaktiten und Stalagmiten.
Der tosende Wasserfall.
Das Abenteuer.
Dann der überhängende Felsen.
Der Lederhandschuh.
Ein Ausrutschen.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Rücken.
Das Wasser lief mir über das Gesicht.
Ich lebte.
Eine Woche später wurde die Höhle überflutet.
Meine Freunde waren noch darin.
Vielleicht wurde mir erst jetzt bewusst, dass dieser Sturz viel mehr war als ein Unfall.
Vielleicht war er meine schamanische Einweihung.
Und wer weiß?
Vielleicht begegne ich eines Tages gemeinsam mit meinen spirituellen Freunden tatsächlich diesem geheimnisvollen Heiligen irgendwo im Atlasgebirge.
Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.
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